Integrationshilfe Gilching


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Vorwort

Jahresrückblick

Vorwort von Dieter Ebbinghaus, 1. Vorsitzender

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Heimat

Angesichts der weltweit 65 Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge, von denen etwa eine Million nach Todesangst, Folter, Erniedrigung bei uns in Deutschland gelandet ist, drängt sich die Frage auf, was ist eigentlich Heimat und wo ist meine Heimat?


Zunächst: „Heimat“ ist etwas sehr Subjektives, Emotionales. Sie hat viele Aspekte, räumlich, zeitlich, sozial, kulturell. Eichendorff etwa besingt die Schönheit seiner Heimat, um die Erinnerung mitzunehmen, wenn er „fremd in der Fremde“ ist, auf dass sein Herz jung bleibe: "O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen andächt'ger Aufenthalt!".

Städte, Dörfer, auch Landschaften verändern sich, so dass, wer länger weg war, die Heimat vielleicht nicht wiedererkennt. Die alten Freunde, Bekannten, Nachbarn leben nicht mehr oder sind weit weg und der alte Sport- oder Gesangsverein ist auch nicht mehr das, was er einmal war.


Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, habe ich einmal die Heimat verloren: Während des Krieges war die Großmutter mit mir in Schlesien, vier Jahre in einer Gegend, auf die Eichendorffs Beschreibung ideal passt. Nach der Vertreibung zurück in Berlin, hatte ich als Kind noch jahrelang Heimweh. Und wenn ich jetzt den Weg zur Schule oder zur Kirche nachgehe, inzwischen markierte Wanderwege in Polen, überkommt mich immer noch ein Gefühl der Traurigkeit, weil Eichendorffs Land verloren ist.


Den Aufbruch 1968 mit der Familie aus Berlin habe ich eigentlich nicht als Heimatverlust empfunden. Gewiss, die Mutter, die Schwester, Freunde und Bekannte blieben zurück. Aber die Neugier auf das neue Leben, beruflich und örtlich, hat doch überwogen, und die Familie hatte ich ja bei mir. Und nun lebe ich seit bald fünfzig Jahren in Gilching, einer lebendigen Gemeinde, die von Einheimischen und Zugewanderten gemeinsam gestaltet und geprägt wurde und wird. Gilching und die nähere und weitere Umgebung sind mir als Heimat ans Herz gewachsen. Wer in Gilching wohnt, hat im Leben schon mal was richtig gemacht.


„Ubi bene, ibi patria“ Frei übersetzt: Wo’s mir gut geht, bin ich zu Hause! So einfach ist das - oder?

Wie mag es den jetzt bei uns untergekommenen Flüchtlingen ergehen? „Die müssen die Sprache lernen, sich integrieren.“ Und alles im Hoppla-Hopp-Verfahren. Glaubt man wirklich, dass Menschen, die in clanartigen, patriarchalischen Verhältnissen groß geworden sind, ihre Vergangenheit abstreifen können wie ein Hemd? Die Integration kann wahrscheinlich nur bei wenigen funktionieren, vielleicht erst nach ein, zwei Generationen. Mülltrennung lernt man auch nicht von heute auf morgen. Die anderen brauchen erstmal „nur“ Sicherheit, ein erträgliches Dasein und Arbeit auf Zeit. Sie beobachten mit Sehnsucht die Entwicklungen in der Heimat, in der Hoffnung, zurückkehren und sich dort am Aufbau beteiligen zu können. Nach dem Willkommen bei uns werden wir sie und sie sich nach einiger Zeit wieder verabschieden. Hoffen wir, dass sie sich dort mit ihren hier gewonnenen Erfahrungen einbringen können!

Dieter Ebbinghaus


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